Mannheim Forum 2018: Die Eröffnung durch Christian Wulff, Bundespräsident a.D. und Optimist

 In BAStA, Kultur, Studileben

Teil I


Letzten Donnerstag war es wieder soweit: Das Mannheim Forum lud zum sechsten Mal infolge zum Eröffnungsabend für ein diskussions- und ereignisreiches Wochenende zwischen politischen Reden und interaktiven Workshops ein. Gut besucht startete der Auftaktabend dieses Jahr im Nationaltheater, da der Ostflügel des Schlosses einigen Renovierungsarbeiten unterzogen wird. Von Seiten der Besucher, wurde dies als Pluspunkt gezählt, da die Atmosphäre dadurch festlicher und vornehmer wurde. Das große Foyer des Nationaltheaters füllte sich zunächst erst langsam, doch zu Beginn der Reden war dann auch der letzte Sitzplatz im Schauspielhaus belegt, was wohl, wie einige Befragte angaben, hauptsächlich an dem Interesse an Wulffs Eröffnungsrede lag. Dafür wurden an dem Abend auch außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen: Es wurde berichtet, dass das gesamte Nationaltheater och kurz vor Einlass von Spürhunden durchsucht werden musste. Die Gäste selbst mussten sämtliche Taschen und Jacken an der Garderobe abgeben. Der Programmablauf wurde dadurch etwas durcheinandergebracht.

Doch bevor der ehemalige Bundespräsident zu Wort kommen sollte, eröffneten die vier Leiter des Mannheim Forums das Event und erklärten dem Publikum, wie jedes Jahr aufs Neue die Herausforderung besteht, ein Thema im Voraus zu wählen, das auch Monate später noch aktuell und interessant für die rund 500 Teilnehmer ist. Mit „Vernetzte Welten“, dem Motto des diesjährigen Kongresses, hätten sie, nicht zuletzt wie im Jahr davor, wieder den Puls der Zeit getroffen, so Mara Becker. Genau dies bestätigten auch die nachfolgenden Redner Ernst Ludwig von Thadden, noch bis diesen Sommer Rektor der Universität Mannheim sowie Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim. Beide wurden durch Videobotschaften von William Cohn, Anchorman und Böhmermann Sidekick im ZDF Neo Magazin Royale, anmoderiert. Zur großen Enttäuschung der Anwesenden war er gar nicht persönlich anwesend (erst Samstagabend haben ihn die Teilnehmer zu Gesicht bekommen – als Überraschungsgast). Doch gerade dadurch hatte der Moderator das Publikum auf seiner Seite, da Cohn für jeden Redner eine kleine Biographie visualisiert und sie mit einer großen Prise Ironie versehen hatte. Diese lockere Atmosphäre wurde auch von Herrn von Thadden und Herrn Kurz beibehalten, wobei sie sich neben selbstironischen Ergänzungen ihrer Biographien hauptsächlich darüber einig waren, dass das Engagement der Studierenden der Universität Mannheim außergewöhnlich hoch sei und sowohl die Universität als auch die Stadt Mannheim davon profitieren würden. Darauf folgte eine kleine Gesprächsrunde, die man treffender als Interview hätte beschreiben können, wobei aus Zeitgründen jeweils nur eine vorbereitete Frage gestellt und beantwortet wurde.

Christian Wulff  während seiner dreißigminütigen Rede.

Dann trat schließlich Christian Wulff auf. Aus Organisationskreisen hieß es, dass man ursprünglich einmal Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eingeladen hatte. Weil dieser allerdings 125.000€ Gage verlangt habe, sei dessen Akquise schnell gescheitert gewesen. Das Publikum dürfte wohl kaum Einwände gegen den kostensparenden und durchweg sympathisch auftretenden Ex-Bundespräsidenten gehabt haben. Der rote Faden, der sich durch Wulffs Rede zog, bestand aus einer überraschend bunten Vielfalt an Themen, die sechs Assoziationen seinerseits zum Motto „Vernetzte Welten“ beinhaltete. Von den Punkten internationaler Terrorismus, Defizite der Globalisierung und Digitalisierung, bis zu Migration, Europa und Heimat. Gespickt mit allerhand treffenden Metaphern und Vergleichen aus seinem (Privat-)Leben, erklärte er den Zuschauern präzise, was die Chancen und Risiken einer vernetzten Welt sind und vor welchen Herausforderungen die Bundesregierung aber auch unsere Gesellschaft steht. Prägnant war vor allem sein Vergleich der Digitalisierung mit der Erfindung des Buchdrucks: Von den Einen hochgepriesen, von den Anderen verteufelt, jedoch unumkehrbar und deswegen verbunden mit Maßnahmen, um Sicherheit im Netz gewährleisten zu können. Sowohl beim Thema Globalisierung als auch insgesamt erlebte das Publikum einen nach vorne blickenden, durchweg zuversichtlichen Ex-Bundespräsident, der selbst über sich sagte: „Ich bin ein unglaublicher Optimist, wie sonst hätte ich jahrelang Politik machen können.“ Optimistisch war dann auch, als er erst zehn Minuten vor Abfahrt seines Zugs zum Hauptbahnhof aufbrach, da er unbedingt noch die Fragen des MaFo-Vortands beantworten wollte. Ein Aspekt, der ihm dazu noch am Herzen lag, war die Leitkultur in unserem multikulturellen Deutschland. Sein Appell hier: Die Leitkultur, also das Grundgesetz Deutschlands mit Stolz vertreten, denn nur so könne man in Deutschland als In- oder Ausländer glücklich werden.

Auch Claudia Roth, Vizepräsidentin des deutschen Bundestages, leider ebenfalls nur per Videobotschaft zugeschaltet, forderte zu mehr Integrationsbereitschaft von gesellschaftlicher und politischer Seite auf und verwies ebenfalls auf das Grundgesetz als Synonym zum Begriff „Leitkultur“.


Andere Meinungen zu dieser Begriffsdefinition sollten sich dann am nächsten Tag während des Vortrags „Leitkultur vs. Multikulturalismus“ herauskristallisieren. Da die meisten Besucher dieses Abends angaben, sich besonders auf diesen Vortrag zu freuen, folgt in Teil zwei unserer Serie zum Mannheim Forum eine Zusammenfassung der Kultur-Debatte.

Von Lisa Weber

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